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Geschichte der ehemaligen Herrlichkeit bezw. Reichsgrafschaft und der Pfarre Wickrath

Joseph Husmann und Theodor Trippel

(Diese Ausgabe ist leider vergriffen)

Geschichte der ehemaligen Herrlichkeit bezw. Reichsgrafschaft und der Pfarre Wickrath - Joseph Husmann und Theodor Trippel

Unveränderter Nachdruck der Ausgaben von 1909 und 1911 in einem Band. 328 Seiten. Leineneinband mit Fadenheftung. Limitierte Auflage in 200 Exemplaren. Preis 29,80 Euro

 

Husmann/Trippel und die Ortsgeschichtsschreibung im 19. und 20. Jahrhundert

Zwei Straßen im Stadtbezirk Wickrath tragen heute den Namen des früheren Wickrather Oberpfarrers Joseph Husmann und des früheren „I. Lehrer“ in Wickrathhahn Theodor Trippel. Husmann (geb. 1864) hatte die Pfarrstelle in Wickrath von 1903 bis 1917 inne. Trippel war bis 1911 in Wickrathhahn Lehrer, ehe er nach Rheydt-Mülfort versetzt wurde. Diese Straßennamen ehren neben dem amtlichen Wirken in der damaligen Gemeinde Wickrath v.a. das hier in einem Nachdruck vorliegende Werk von Husmann und Trippel über die Geschichte der Herrlichkeit und der (katholischen) Pfarrgemeinde Wickrath. Die Bürgergemeinde würdigte damit die ebenso akribische und mühsame wie verdienstvolle historische Arbeit der beiden Autoren. Ihr Werk ist noch immer die einzige umfassende und zusammenhängende Darstellung der politischen Geschichte Wickraths bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und seiner katholischen Kirchengeschichte. Umso erfreulicher ist es, daß dieses Werk, das erstmals in den Jahren 1909 und 1911 in zwei Bänden erschienen ist, nun wieder einem interessierten Leserkreis aus Wickrath und darüber hinaus zugänglich gemacht wird. Ermöglicht wurde dies dankenswerterweise durch das Engagement des Heimat- und Verkehrsvereins Wickrath unter seinem Vorsitzenden Axel Bieling und von Herrn Manfred Lebbing vom Mönchengladbacher „Antiquariat am St. Vith“. Der Nachdruck liegt damit rechtzeitig zum hundertjährigen Gründungsjubiläum des Wickrather Heimat- und Verkehrsvereins vor.

 

Der Wunsch, etwas über die Geschichte des eigenen Wohnorts und Lebens umfelds zu wissen, ist vielen Menschen eigen. Er ist nicht nur Ausdruck einer allgemeinen historischen Neugier, die der Frage nachgeht „Woher kommen wir?“ Die Kenntnis um die Vergangenheit seiner Heimat stärkt v.a. die Verbundenheit mit ihr. Wir leben bewußter und handeln verant wortlicher in einer Stadt, in einem Stadtteil oder Dorf, wenn wir unser Leben in eine geschichtliche Kontinuität stellen mit denen, die am gleichen Ort vor uns lebten, und denjenigen, die nach uns hier leben werden. Bereits im 19. Jahrhundert unternahmen es Menschen an vielen Orten Deutsch lands, die lokale Geschichte aus dem Nebel des Unbekannten zu bergen und einem historisch immer interessierter werdenden Publikum zu präsentieren. In den letzten Jahrzehnten des 19. und den ersten des 20. Jahrhunderts erreichte diese Lokalgeschichtsschreibung einen Höhepunkt. Es ist daher kein Zufall, daß auch in der Umgebung von Wickrath Zeitgenossen von Husmann und Trippel wichtige Grundlagenwerke zu der Geschichte ihrer Wirkungsorte schrieben: So wurde die Wickrathberger Kirchengeschichte von Wilhelm Rheinen (1859 bis 1939) niedergeschrieben (das Werk erschien posthum 1940); Bremers Werke über Liedberg und Millendonk datieren aus den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, Brasses Geschichte über Stadt und Abtei Gladbach von 1914, die Rheydter Chronik von Schmitz und Strauß aus dem Jahre 1897, Norrenbergs Geschichte des Dekanats M. Gladbach von 1889, und bereits 1879 erschien Wiedemanns Geschichte Odenkirchens. Aus der weiteren Umgebung ließen sich viele weitere Beispiele aus dieser Epoche hinzufügen.

 

Gerade in kleineren Städten oder Dörfern waren die Autoren regelmäßig Lehrer oder Pfarrer, bis ins 20. Jahrhundert hinein waren dies oftmals die einzigen akademischen Berufsträger „auf dem Land“; sie besaßen am ehesten die notwendigen Voraussetzungen, um sich dem umfänglichen Quellenstudium zu unterziehen oder gar in benachbarte Städte zu reisen, um Archivforschung zu betreiben. Obwohl die meisten Autoren keine besondere Ausbildung als Historiker genossen hatten, sind ihre Werke oft mals von bemerkenswerter Qualität. Auch wenn – wie bei Husmann und Trippel – einzelne Angaben in der Zwischenzeit historisch widerlegt sein mögen und die im wesentlichen erzählende und weniger themenbezogene Darstellung des Stoffes heute nicht mehr ganz zeitgemäß erscheint, über zeugt der Husmann/Trippel doch auch gerade deshalb, weil die Verfasser sich nicht scheuten, die Geschichte Wickraths insgesamt darzustellen. Heutige „gelernte“ Historiker liefern uns ausgezeichnete Aufsätze und Monographien zu Spezialthemen, die die Fülle des vernetzten Wissens einer ganzen Wissenschaftszunft problemorientiert widerspiegeln. An umfas sende Ortsdarstellungen wagen sie sich indes nur noch selten heran. Umso verdienstvoller ist vor diesem Hintergrund zwar die aktuelle Herausgabe einer mehrbändigen Stadtgeschichte Mönchengladbachs des ehemaligen Stadtarchivars Dr. Wolfgang Löhr unter dem Titel „Loca desiderata“, die in ihren einzelnen Bänden (Bd. 1: 1994; Bd. 2: 1999; Bd. 3.1: 2003) auch ausführliche und äußerst sachkundige Darstellungen der Wickrather Geschichte umfaßt. Auch diese Kapitel zu Wickrath können das Werk Husmann/Trippels indes nicht ersetzen; es bleibt in seiner umfassenden Anlage und in seinem Detailreichtum einzigartig.

(aus dem Vorwort von Dr. Günter Krings zur Neuausgabe)